Der Wunsch nach originellen Geschichten wächst bei Film- und Serienfans. Obwohl sich die Filmbranche lieber auf Remakes, Sequels und Franchises beschränkt, wird der Ruf nach unverbrauchten Ideen größer. Dass solche mutigen Drehbücher deutlich länger in Erinnerung bleiben, bewiesen 2025 die Oscar-Nominierten in der Kategorie „Bestes Originaldrehbuch“.
Kino bedeutet große Emotionen, atemberaubende Bilder und bewegende Geschichten. Das Publikum fiebert mit den Protagonisten, lässt sich von Emotionen überwältigen und verfolgt die Entwicklung der Charaktere, die manchmal sogar Einfluss auf das eigene Leben haben. Die Filmbranche hat diese Kraft, Menschen zu bewegen und den Alltag für einen gewissen Zeitraum mit neuen Perspektiven zu gestalten. Grundlage für diese machtvolle Fähigkeit ist ein einzigartiges Drehbuch, dessen Story in allen Facetten überzeugt.
Jedoch sind den Drehbuchautoren in den vergangenen Jahren leider die nötigen Ideen abhandengekommen. Remakes, Romanadaptionen, Comic-Verfilmungen, Fortsetzungen oder Realversionen von Animationsfilmen lassen die Vermutung aufkommen, dass Produzenten lieber auf bekannte Geschichten setzen, die keine bösen Überraschungen bieten und als sicheres Netz für die zu erwartenden Einspielergebnisse dienen. Doch mit den enttäuschenden Box-Office-Zahlen verschiedener Mammutprojekte („Borderland“, „Madame Web“, „Captain America: Brave New World“) wird immer deutlicher: Die Zeit für originelle Drehbücher ist überreif!

Geschichte ist die Basis
Kreative Autoren gibt es zweifellos, doch haben nur die wenigsten Vertreter das Glück, dass ihre Visionen verfilmt werden. Die Besten ihres Fachs durften sich Anfang des Jahres 2025 bei der Oscar-Verleihung über eine Nominierung in der Kategorie „Bestes Originaldrehbuch“ freuen. Zu den Titeln zählten der deutsche Beitrag „September 5“, das Drama „Der Brutalist“, der Body-Horror „The Substance“, die Tragikomödie „A Real Pain“ und der Genre-Mix „Anora“. Letzterer durfte die Auszeichnung entgegennehmen und setzt sich gegen die anderen Beiträge durch. Obwohl sich alle Drehbücher in anderen Genres aufhalten und teilweise auf wahren Begebenheiten beruhen („September 5“), vereint sie die Originalität. Ihre Tiefe, gesellschaftskritische Themen oder ungewöhnliche Ansätze in der Charakterzeichnung heben sie von den eindimensionalen Skripten zahlreicher Konkurrenzprojekte ab.
Wie wichtig dieser Aspekt ist, haben auch kinofremde Branchen erkannt. Schriftsteller müssen ihre Bücher Seite für Seite zum Leben erwecken und die Leser mit abwechslungsreichen Twists bei Laune halten. Auch die Gaming-Industrie setzt vermehrt auf Story Games, in denen das Vorankommen im Spiel auch die Entfaltung einer dichten Story vorantreibt. Die bloße Aneinanderreihung von Quests überzeugt nur noch bedingt und unterhält maximal wenige Stunden. Wer das Publikum länger binden will, muss einen Hook finden. Gleiches gilt auch in Escape-Rooms, die auf storygetriebene Räume setzen und immer mehr Fokus auf die Ausgestaltung der Geschichte legen.

Emotion statt Explosion
Für Autoren wird es zukünftig immer wichtiger, sich mit ihren Ideen durchzusetzen. Der Wunsch, originelle Skripte mit gesellschaftsrelevanten Themen zu behandeln, wächst beim Publikum. Zwar bieten Komödien und Sci-Fi-Filme genug Grund, sich von der Realität wegzuträumen, doch bieten Anknüpfungspunkte zu Alltagsthemen mehr Fläche zum Mitfühlen. Der diesjährige Oscar-Gewinner „Anora“ hat genau diesen Punkt getroffen: eine moderne Aschenputtel-Geschichte mit düsteren Tönen, ehrlichen Emotionen und einem Ende, das realer kaum sein könnte.
Zwischen Effekten und CGI-Spektakeln hat Hollywood vergessen, sich auf die Basis zu besinnen: ohne Drehbuch, kein Film! Umso mehr Aufmerksamkeit sollten Produzenten wieder zukünftig auf die Grundlage legen, damit die große Leinwand mit bewegenden Geschichten und nicht durch verpuffende Explosionen gefüllt wird.
